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12.2.09

Schloss Thun

Schloss Thun: Wichtige Zeugnisse der bernischen Bildhauerkunst sind zurück.

Die historischen Wappensteine vom Scherzligtor und vom alten Schloss Schadau sind zurück im Thuner Schlosshof. Die beiden beträchtlich beschädigten Reliefs aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurden in den vergangenen Jahren vom Schlossmuseum und der kantonalen Denkmalpflege sorgfältig restauriert.

Die beiden Wappensteine waren jahrzehntelang auf ungünstige Weise im Schlosshof Thun aufgestellt. Dadurch wurden sie beschädigt. 1997 schritten Museum und Denkmalpflege ein und brachten die Kunstwerke ins Restaurierungsatelier. Der Steinrestaurator und Bildhauer Urs Bridevaux verfestigte den Sandstein, klebte Risse und ergänzte abgewitterte Teile. Restaurator Michael Fischer legte die ursprüngliche farbige Fassung frei und retouchierte sie zurückhaltend. Dank diesen Massnahmen sind die bedeutenden Zeugnisse der Thuner Geschichte nun wieder in sehr gutem Zustand und zurück im Thuner Schlosshof.

Der Wappenstein vom Scherzligtor

Das Scherzligtor, das Stadttor Thuns gegen die äussere Aare, wurde 1537 durch die Stadt Thun vollständig erneuert. Wie damals üblich stiftete Bern seiner Untertanenstadt zum Neubau ein bernisches Staatswappen in Form eines Sandsteinreliefs. 1851 wurde das Stadttor beim Bau einer neuen Brücke abgebrochen. Der Wappenstein vom Scherzligtor geriet zuerst in Privatbesitz ehe er 1888 ins Thuner Museum gelangte. Auf dem Relief sind zwei Bernerwappen über dem Thunerwappen zu erkennen. Diese stellen klar, dass Bern die Oberherrschaft über die Stadt ausübte. Der Doppeladler darüber ist das Wappen des deutschen Reiches, dem Bern formell bis 1648 angehörte. Dank einem Eintrag in den Stadtrechnungen von Bern weiss man, dass der damalige Münsterwerkmeister Peter Kleinmann das Wappen geschaffen hat. Es ist damit ein Zeugnis der spätgotischen Bildhauerei aus der Münsterbauhütte.

Der Wappenstein vom alten Schloss Schadau

Das heute bestehende Schloss Schadau stammt aus dem mittleren 19. Jahrhundert. Es ersetzte ein Herrschaftsschloss des 17. Jahrhunderts, von dem nur die jetzt restaurierte Wappentafel erhalten geblieben ist. Diese stammt von Anthoni Thierstein, der sie als knapp 30-Jähriger schuf und ab 1643 Münsterarchitekt war. Die Wappentafel kam beim Abbruch um 1852 ins neue Schloss und wurde 1928 von der Gemeinde Thun dem Schlossmuseum übergeben. Auf dem Relief sind die Wappen des Schlossherrs der Schadau, Franz Ludwig von Erlach und seiner zweite Gattin Johanna von Graffenried abgebildet. Die Jahrzahl 1638 steht nicht nur für die Entstehungszeit des Reliefs, sondern auch für den Abschluss des Schlossbaus. Franz Ludwig von Erlach (1575 - 1651) stammte aus einem alten Stadtberner Geschlecht. Von 1629 bis zu seinem Tode 1651 war er Schultheiss von Bern. Er war aber auch ein begeisterter Bauherr. So gestaltete er das Schloss Spiez zu einer repräsentativen Residenz um, stattete sie 1614 mit dem damals modernsten Saal aus, baute das Schloss Bümpliz um und schuf das erste Schloss Schadau. Mit 19 Jahren heiratete er die 14-jährige Salome Steiger. Nach deren Tod ehelichte er 1613 die Johanna von Graffenried, die ihn um 20 Jahre überlebte. Mit Salome hatte er neun, mit Johanna 26 Kinder.

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