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10.5.09

Engehalbinsel

Das älteste Bern: Kelten und Römer auf der Engehalbinsel.

Auf der Engehalbinsel. In der heutigen Tiefenau wurde im Jahre 1849 ein spektakulärer Fund gemacht: Schwerter, Schmuck, Werkzeuge, Bestandteile von Wagen und Pferdegeschirr. Das alles gehörte keltischen Siedlern, die den Raum innerhalb der nördlichen Aareschleife schon vor mehr als 2'000 Jahren bewohnten. In römischer Zeit stand dort eine Kleinstadt, ein Vicus namens Brenodurum. Bis heute sichtbar sind ein kleines Amphitheater und ein städtisches Bad.

Wo sich heute im lichten Wald der Engehalbinsel Spaziergänger und Jogger erholen, stand einst eine keltische und später eine römische Stadt. In der markanten Aareschlaufe entwickelte sich seit etwa 250 v. Chr. eines der frühen städtischen Zentren im Gebiet der heutigen Schweiz: Reste von Häusern, eine mächtige Befestigung sowie zahlreiche Gräber aus keltischer und römischer Zeit zeugen vom ältesten Bern. Ein 1984 gefundenes Zinktäfelchen nennt wohl den Namen: Brenodurum.

Das keltische Oppidum war mit über 130 Herktaren Innenfläche eine der grossen Städte im keltischen Europa. Annähernd im Zentrum des von den Helvetiern bewohnten Gebietes zwischen Genfer- und Bodensee gelegen, muss es in ihrem politischen Gefüge zeitweise eine wichtige Rolle gespielt haben. Waffenopfer im Gebiet der Tiefenau zeugen von innerkeltischen Kämpfen im 2. Jahrhundert v. Chr. Eine mächtige Mauer riegelte im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. die Engehalbinsel gegen Süden ab. Brenodurum verlor nach der Eroberung Galliens um 50 v. Chr. an überregionaler Bedeutung. Ein Heiligtum an der engsten und zugleich höchsten Stelle der Engehalbinsel mit Tempeln und Resten von Opfern am gleichen Platz wie das zentrale Heiligtum des keltischen Oppidums zeigt aber, dass die als Vicus zu bezeichnende Stadt in römischer Zeit noch immer Mittelpunkt einer helvetischen Region war. Handwerk und Handel boten die Lebensgrundlagen, und die Aare wurde als wichtiger Wasserweg genutzt.

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts verlieren sich die Siedlungsspuren auf der Engehalbinsel.

Wie einige andere regionale Städte wurde Brenodurum nach den Unruhen und Kriegen jener Zeit offenbar verlassen. Der Übergang vom römischen Vicus zur mittelalterlichen Stadt Bern liegt im Dunkeln, aber Brenodurum war deren Vorgängerin.

Die Berner Öffentlichkeit hat an einem Wochenende des «offenen Denkmals» auf der Engehalbinsel im September 2009 die Gelegenheit, bei Führungen das Siedlungsareal und die noch sichtbaren Denkmäler kennen zu lernen. Eine Posterschau auf der Engehalbinsel wird die Geschichte der Ausgrabungen und Resultate der bisherigen Forschungen zeigen. An den beiden Aktionstagen werden ausgewählte archäologische Funde und Skelette aus keltischen Gräbern von der Engehalbinsel gezeigt und geophysikalische Bodenuntersuchungen erläutert. Dafür arbeitet das Institut für Ur- und Frühgeschichte mit dem Institut für Medizingeschichte (Anthropologie) und mit dem Institut für Archäologie (geophysikalische Messungen) der Universität Bern zusammen. Experimentelle Archäologie wird das damalige Leben mit Hilfe archäologischer Quellen näher beleuchten.

Der Archäologische Dienst des Kantons Bern eröffnet zur gleichen Zeit auf der Engehalbinsel einen neuen Rundgang, das Bernische Historische Museum zeigt im Jahr 2009 eine grosse Ausstellung über Keltische Kunst, und der Berner Zirkel für Ur- und Frühgeschichte bietet in Vorträgen Hintergrundinformationen zu dieser Sonderausstellung
an.

Wenn Sie die Ausgrabungen vor Ort bestaunen möchten, dann besuchen Sie die Ausstellung auf der Engehalbinsel. Sie erfahren dort, mit welchen Arbeitsmethoden die Archäologinnen und Archäologen der Universität Bern heute die Geschichte aus dem Boden erforschen.

19. September 2009, von 10.00 bis 17.00 Uhr
20. September 2009, von 13.30 bis 16.30 Uhr

Stefanie Martin-Kilcher
Institut für Ur- und Frühgeschichte & Archäologie der Römischen Provinzen, Projektleiterin «Berns frühe Zeit»
www.sfu.unibe.ch

www.be.ch/archaeologie
Bern, Engehalbinsel, Römerbad
Engehalbinsel (Wikipedia)

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