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9.5.09

100 Jahre Casino

Hundert Jahre Schicksalsgemeinschaft.

Die Burgergemeinde Bern, Besitzerin des Kultur-Casinos, feiert mit einem Konzert des Symphonieorchesters und einem historischen Festtagsmenü den 100. Geburtstag ihres Gesellschaftshauses.

Kein anderes Gebäude in der Stadt Bern hat wohl eine so bewegte Geschichte, und kein anderes Gebäude wird so vielfältig genutzt wie das Berner Kultur-Casino. Es ist Ort öffentlicher und privater Anlässe, von Ausstellungen, Banketten und Konzerten, Gastronomiebetrieb und Tagungsgebäude der Burgergemeinde. Im Burgerratssaal findet sechsmal jährlich die Sitzung des Grossen Burgerrats sowie zweimal jährlich die Burgergemeinde-Abstimmung statt. Das Kultur-Casino ist Arbeits- und Aufführungsort des Berner Symphonieorchesters – mit seinen hundert Musikerinnen und Musikern eines der grössten Ensembles der Schweiz. In den Solistenzimmern, die mit Videoanlage zum Konzertsaal verbunden sind, bereiten sich die Profimusiker auf ihre Einsätze vor. Die Bläser- und Streicherzimmer werden auch für den Musikunterricht genutzt.

698 Anlässe waren es im letzten Jahr, darunter 195 Konzert- und Stadttheater-Proben, 127 Kongresse, Tagungen, Jubiläumsfeiern und Modeschauen, 112 Konzerte.

Burger und Verwalter Berthoud

Daniel Berthoud verwaltet seit 20 Jahren Räume, Termine und Betrieb des Casinos. Wiederkehrende Anlässe, etwa 70 an der Zahl, und sämtliche Orchester- und Probentermine werden bis zu drei Jahre im Voraus gebucht. Berthoud und seine Mitarbeitenden sorgen für reibungslose Abläufe. Als Verantwortlicher geht er erst nach Hause, wenn der Durchführung nichts mehr im Wege steht: «Ich verlasse das Haus in der Regel erst nach Beginn eines Anlasses», sagt er. Seiner Arbeitgeberin, der Burgergemeinde, Eigentümerin des Casinos, ist er auch als Präsident der Gesellschaft zu Mittellöwen verbunden.

Weder Ansprachen noch Gala-Diner und Feuerwerk sollten das Jubiläum prägen, sondern ein Konzert für die Bevölkerung, schreibt der Präsident der Burgergemeinde, Franz von Graffenried, in der Festbroschüre. Nebst dem Restaurant lebt das Casino vom Konzertbetrieb. Konzertsaal und Symphonieorchester bilden laut von Graffenried eine Schicksalsgemeinschaft. Chefdirigent Andrey Boreyko, die Solisten Alexis Vincent an der Violine und Philippe Laubscher an der Orgel werden morgen Samstag mit den Mitgliedern des Symphonieorchesters ab 19.30 Uhr wohl eines ihrer besten Heimspiele geben. Der grosse Saal mit 1350 Plätzen ist ausgebucht. Das Orchester der Bundesstadt selbst kann auf eine 130-jährige Tätigkeit zurückblicken.

Die Folgen des Burgersturms

Autorin Charlotte König-von Dach fasste die Geschichte im Buch «Das Casino der Stadt Bern – vom Barfüsserkloster zum Gesellschafts- und Konzerthaus» zusammen. Es erschien zum 75-Jahre-Jubiläum. Die Institution Casino ist das Ergebnis einer für die Burgergemeinde schmerzhaften Zangengeburt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten radikale Freisinnige den Bestand der Burgergemeinde als Körperschaft infrage. Die Reformer, unter ihnen auch zahlreiche Leute aus burgerlichen Reihen, forderten im Zuge des Burgersturms die Verschmelzung von Burger- und Einwohnergemeinde unter Liquidierung des burgerlichen Vermögens. Die Burgergemeinde überlebte den Angriff durch Abschaffung des sogenannten Burgernutzens, der Gemeindedualismus aber blieb bestehen. Die Burger stellten in der Folge einen Teil ihres Vermögens und ihrer Ländereien für öffentliche Projekte zur Verfügung, zum Beispiel zur Förderung des Eisenbahnbaus sowie zum Bau diverser Museen. Ermöglicht wurden dadurch auch die Kornhausbrückenköpfe und der wegen Geldmangels und Standortstreitigkeiten über lange Zeit blockierte Bau des Kultur-Casinos. Nach komplizierten Verhandlungen wurde das Grundstück von Eigentumsrechten und Dienstbarkeiten befreit. Treibende Kraft war der damalige Burgergemeinde- und Burgerratspräsident Amédée von Muralt (1829–1909). Die Eröffnung seines Lebenswerks blieb ihm vergönnt.

Das erste Casino hatte sich beim Bundesplatz befunden und wurde um 1890 abgebrochen, um dem Parlamentsgebäude Platz zu machen. Für das Nachfolgeprojekt am heutigen Standort hatte die Stadtbehörde 1900 einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. 35 Entwürfe wurden eingereicht, darunter jener des Berner Architekten Paul Lindt. Erst 1905 erhielt Lindt, der sich in der Bürogemeinschaft mit Max Hofmann verbunden hatte, den Zuschlag. Nach den Plänen Lindts und Hofmanns entstand in nur zweijähriger Bauzeit das 1,7 Millionen Franken teure Sandsteingebäude im spätbarocken Klassizismus. 1909 wurde es eröffnet. Es folgten zahlreiche Umbauten. Die Burgergemeinde investierte in den letzten 20 Jahren 34 Millionen Franken in die Erneuerung.

www.derbund.ch Daniel Vonlanthen 09.05.2009
www.kultur-casino.ch
www.burgergemeindebern.ch

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