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16.3.09

Hydranten

Auch Hydranten brauchen Wellness.

Die rund 3'500 Berner Hydranten werden im Stadtbild kaum wahrgenommen. Doch im Notfall – bei einem Brand zum Beispiel – sind sie auf einmal enorm wichtig. Damit sie stets zuverlässig funktionieren, kontrolliert und repariert sie ein kleines Team von Energie Wasser Bern regelmässig.

Männer in «Reih und Glied» – leicht verdutzt blickt der Redaktor auf die vielen Hydranten, die ihm Hans-Rudolf Hänni beim Empfang im Technischen Zentrum in Holligen vorstellt.

Jedenfalls denkt man in diesem Augenblick an einen Männerchor. Denn hier stehen etwas bullig und gedrungen, ausgestattet mit zwei kurzen, kraftvollen Armen, hübschen Mützen fast wie «Sennechäppeli» und irgendwie sympathisch zahlreiche Hydranten. Auf mehreren Gestellen und bis unter die Decke sind sie sorgfältig aufgereiht. Es dürften gut und gerne 80 bis 100 Stück sein. Hydranten sind Teil der Löschwasserversorgung der Stadt und ermöglichen die Wasserentnahme aus dem öffentlichen Wasserleitungsnetz.

Alle zehn Jahre in die Kur

Hans-Rudolf Hänni und Adrian Zahnd sind gemeinsam mit zwei Kollegen für etwa 3'500 Hydranten auf dem Stadtgebiet verantwortlich. Sie kontrollieren einmal im Jahr jeden davon. Wenn einer rinnt oder im schlimmsten Fall sogar umgefahren wird, reparieren sie ihn sofort. Umfangreichste Aufgabe ist die Revision: Rund alle zehn Jahre muss jeder Hydrant in die Wellness-Kur.

Wer aus Zahnds Büro schaut, kann während der Revision zusehen, wie
die Fahrzeuge von Energie Wasser Bern durchs riesige Tor fahren und Mitarbeitende die Hydranten ausladen. Nur der obere Teil eines Hydranten wird ins Technische Zentrum gebracht. Der untere bleibt im Boden und wird vor Ort revidiert. Das Oberteil erhält neue Dichtungen, wird blitzblank gereinigt, frisch geschmiert, einer Sandstrahlung unterzogen und neu gespritzt. «Nach der Revision ist der Hydrant wie neu, als käme er direkt aus der Fabrik», sagt Hänni mit berechtigtem Stolz.

Löschen, bewässern, reinigen: Diese «Büez» freut die Feuerwehr.

Hauptsächlich für die Löscharbeit bei Bränden sind Hydranten gedacht. Ab und zu dienen sie der Notversorgung der Stadtbevölkerung: bei einem Leitungsbruch etwa und wenn neue Leitungen verlegt oder bestehende repariert werden und die Wasserzufuhr unterbrochen ist. Auch die Stadtgärtnerei braucht zum Bewässern ihrer Grünanlagen und Pflanzen manchmal Wasser aus Hydranten. Genauso wie Mitarbeiter von Energie Wasser Bern selbst, wenn sie Stadtbrunnen reinigen.

Selbst Privatpersonen profitieren von den öffentlichen «Wasserspendern»: Baugeschäfte oder Festveranstalter beispielsweise können bei Energie Wasser Bern gegen Bewilligung einen Schlüssel zum Öffnen von Verschlusskopf und Ventilen sowie eine Wasseruhr abholen. Letztere misst den Verbrauch. So wird die bezogene Menge Wasser korrekt verrechnet. «Es gibt Leider auch Schlaumeier, die unsere Hydranten ohne Erlaubnis anzapfen», klagt Hänni. Das sei nichts anderes als Diebstahl. Wer dabei erwischt wird, dem flattert eine schriftliche Mahnung ins Haus. Und beim zweiten Mal eine Anzeige.

Ältester Hydrant, Jahrgang 1914

Hydrant ist aber nicht gleich Hydrant. Energie Wasser Bern setzt fünf Modelle ein – das älteste und nach wie vor einwandfrei funktionierende mit Jahrgang 1914. Am häufigsten ist «dr Siebzger», wie Hänni ihn bezeichnet. Die Zahl steht für den Jahrgang, als dieser Typ auf den Markt kam.

Hersteller aller Modelle, die in der Stadt Bern zu finden sind, ist von Roll. Das Schweizer Industrieunternehmen stellt auf Wunsch auch Hydranten in kunterbunten Farben her. Seit kurzer Zeit bietet es Modelle aus Alu an, die nur noch maximal 27 Kilo wiegen. Zum Vergleich: Das Guss-Modell von 1970 ist zwischen 40 und 50 Kilo schwer. Punkto Design kommen die neuen Hydranten so extravagant daher wie moderne Kaffeemaschinen. Das Stadtberner Bild wird in nächster Zeit aber noch vorwiegend durch den standardmässig silbrig lackierten «Klassiker» geprägt.

Es sei denn, jemand lasse an einem Hydranten seiner Kreativität freien Lauf – etwas, das man bei Energie Wasser Bern gelassen beobachtet. Offiziell sei das Bemalen von Hydranten nicht erlaubt, sagt Hänni. Man drücke aber beide Augen zu. Tatsache ist, dass selbst solche «verschönerten» Exemplare der Revision nicht standhalten. Auch sie werden danach wieder ganz in Silber dastehen.

www.ewb.ch Reto Wüthrich 1/2009
Hydrant (Wikipedia)

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