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21.6.09

«DVDhek»

Neue «DVDhek» an der Rathausgasse.

Hätte die «Praxis des Dr. Strangelove» nicht geöffnet, man würde gar nicht bemerken, dass hier seit vergangener Fasnacht, ein neuer Laden entstanden ist. Der rot ausgelegte Läufer zwingt einem jedoch schnell einen Blick ins Schaufenster zu werfen. Als flüchtiger Passant macht sich das Kleinhirn selbständig. AHA: Rathausgasse - DVDs - conclusio: neuer Sexshop. Doch weit gefehlt!

Stefan Theiler, der 26 jährige Betreiber der «DVDhek» bietet auf kleinstem Raum über 600 Filme an. Fast ausschliesslich europäischer Provenienz; Filmklassiker, Autorenkino, Dokus aber auch Kinderfilme. Und dies zu einem sensationellen Preis: 5.- pro Film für 1 Woche. Schon bestehen Expansionspläne. Ab Herbst soll der hintere Teil des Ladens ausgebaut und das Angebot noch vergrössert werden.

Auf die Idee und die Anfänge seiner Leidenschaft angesprochen, erzählt er von einer vergangenen Liebe deren Vater Filmkritiker war und in ihm diesen Funken entzündete. Als dann Frau Büschis Leihbibliothek unter seiner Wohnung frei wurde, packte er die Gelegenheit beim Schopf und eröffnete, neben seinem Job in einer Werbeagentur in Zürich, dieses Kleinod. Er will mit seiner Filmbegeisterung andere Leute anstecken, weshalb er ganz grossen Wert auf seine individuelle Beratung legt. Überhaupt steht das Gespräch im Mittelpunkt seiner Geschäfts-/ Lebensphilosophie.

Jeweils am Mittwoch- und Sonntagabend und den ganzen Samstag, sieht man ihn vor seinem Laden sitzen. Bereits zieht es viele Rathausgässler an sein Tischchen, wo man schnell ein Gläschen trinkt, frühstückt, sich über Gott und die Welt unterhält, gratis die neusten Filmtipps bekommt und dann wieder von dannen zieht. Gerade das habe ihm den Ärmel herein genommen. «Seine Gasse» sei ein Mikrokosmos. Jeder kenne jede. Alles finde man um die Ecke. Jung und Alt plauderten miteinander. Er sei einfach glücklich mitten in der Berner Altstadt zu leben und täglich den Herzschlag zu spüren. Und dann diese Ruhe! Hier habe es viel weniger Autos und noch weniger Verkehr (Vielleicht sollte man erwähnen, dass hier die Stadt Zürich als Vergleichsgrösse angenommen wurde).

Auch er möchte seinen Teil dazu beitragen. Im Sommer plane er vor seinem Laden ein Openair-Kino. Nichts Grosses. Nur zwei-drei Stuhlreihen. Vielleicht etwas zu trinken, aber noch kein Popkorn. Man wolle ja nicht übertreiben.

Dieses Zusammenführen von verschiedenen Menschen und Charakteren ist ihm bereits heute gelungen. Während des ganzen Gespräches gesellten sich x Leute ans Tischen, blieben für einen kurzen Schwatz, schärften mir ein, was ich unbedingt noch erwähnen müsste und verliessen uns mit einem vergnügten Lächeln wieder.

Mit dieser Einstellung und der ansteckenden Begeisterung ist er seinem Ziel, nämlich dass Bern Luzern als Tourismusattraktion Nr. 1 der Schweiz ablöst, schon eine grosse Bärentatze näher gekommen.

Brunne Zytig (pfö) 19.06.2009

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